Aktuell




  • Log #1 Print-Ausgabe April 2018 coming soon
  • Das Handbuch zur Überwindung der Zeit ist in den Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufgenommen worden. Im Rokokosaal kann es voraussichtlich ab Mai 2018 gelesen werden. Die Einbuchbibliothek ist vorübergehend eingestellt.

  • 14 Tage fremdbestimmt




    Ein Experiment
    Zwei Wochen lang habe ich meine Zeitplanung in fremde Hände gelegt. Jeden Abend bekam ich per Mail von einem fremden Organisator ein Bild meines Tagesplans für den nächsten Tag, führte ihn aus und stellte mir folgende Fragen:
    Wie fühle ich mich in meiner Rolle als „fremdbestimmte“ Person? Wie lebt es sich, eingezwängt in dieses Zeitkorsett aus Zwang und Kontrolle? Kann ich von „meiner“ Zeit sprechen, wenn ich täglich von Fremden vorgeplante Aktionen ausführe – einen Handlungsmarathon abarbeite? Bin ich entfremdet von der erlebten Zeit? Was bedeutet eigentlich „fremdbestimmt sein“ und wo liegt der Unterschied zu „entfremdet sein“? Im subjektiven Erleben und gleichzeitiger künstlerischer Reflexion habe ich Antworten auf zeitpoltische Fragestellungen gefunden. Es entstanden Collagen aus Diagrammen und Text, die in einem Atlas fremdbestimmter Lebenszeit zusammengefügt werden.

    Aktionsblöcke Aktionsblöcke aus denen die Tagespläne zusammengestellt wurden


    Tag1 Tag 9


    Diagramm Raum Zeit Kraft Diagramm Tag 8



    Handbuch zur Überwindung der Zeit



    Das Handbuch zur Überwindung der Zeit zeigt die Auseinandersetzung mit der Echtzeit individuellen Erlebens und ihrer medialen Repräsentation.

    Zeit, als eine Grunddeterminante des Lebens, wird im Handbuch zur Überwindung der Zeit in ihrer Komplexität vergegenwärtigt. Jede*r Leser*in kann im Laufe der Lektüre ihre besondere Art und Weise der Zeitüberwindung zu fassen bekommen – und sei es nur für einen Augenblick. Das Handbuch zur Überwindung der Zeit ist ein Hand gebundenes Unikat – ein künsterisches Sammelsurium. Arbeiten, die zum Thema Zeitwahrnehmung entstanden sind werden visualisiert, diskutiert und reflektiert.

    Das Handbuch kann im Rahmen der Einbuchbibliothek ausgeliehen werden – dafür bitte per Mail auf die Ausleihliste schreiben lassen.

    andbuch zur Überwindung der Zeit Ausstellungsansicht, Kunsthalle am Hamburger Platz Berlin Weißensee



    Handbuch zur Überwindung der Zeit Ausstellungsansicht, Kühlhaus Berlin


    Alltagsprophezeiungen


    Der Notizzettel ist meine alltägliche Zukunftsprophezeiung.

    Ich stelle mir die Zukunft vor – die Notiz ist ein Versuch diese zu antizipieren und sie gleichzeitig in einem Medium, als Liste oder grafische Zeichnung, zu fixieren: Das Bild meiner Zeit, die kommt, geschrieben mit dem Stift auf dem Papier.

    Ich sammelte meine Notizzettel und kopierte sie in Form von Radierungen.

    Was ist wirklich passiert? Welche Punkte auf den jeweiligen Zetteln wurden in Aktion umgesetzt, welche umgeplant oder gar verworfen? Die Zwillingsnotiz ist die jeweils zugehörige Darstellung der Überwindung von Zeit durch erfolgte Erledigungen von zuvor Notiertem: Das real mit Zeitaufwand Vollbrachte, die erfolgten Erledigungen also, sind auf dem Zwillingszettel verschwunden. Was bleibt, ist das flüchtig Notierte, das in Vergessenheit Geratene, das, was realiter keine Lebenszeit verbraucht hat.
    Beim Betrachten passiert ein Zeitsprung. Welcher Notizzettel war vorher da? Die Kopie oder die Kopie der Kopie?

    Alltagsprophezeiung Ausstellungsansicht REIF // Kühlhaus Berlin
    Alltagsprophezeiung
    Alltagsprophezeiung
    Alltagsprophezeiung
    Alltagsprophezeiung
    Alltagsprophezeiung
    Alltagsprophezeiung



    Aufwachmoment

    Es gibt diesen Moment zwischen Schlafen und Wachen. Diesen Moment, an den man sich objektiv erinnern kann. Man liegt im Bett und wacht auf: das beißende Weckergeräusch, das Bewusstwerden, das Weichen des Traumes. Kann man diese mentale Situation konservieren, um sie noch einmal hervorzurufen?

    Aufwachen ist das Ende und der Anfang
    Aufwachen ist ein Zwischenstadium
    Aufwachen ist ein Übergang

    Der Übergang zwischen Schlafen und Wachen wird überwunden, indem seine Flüchtigkeit in dem Paar aus Wort und Zeichnung reproduzierbar wird.
    Ich kann im Nachhinein den kompletten Moment wiederherstellen: Wenn ich die Zeichnungen sehe und meine selbst gesprochenen Worte höre, verkoppeln sich diese nachträglichen Ausdrucksformen zu einem neuen Eindruck und führen in die sinnliche Erinnerung des kurzen Augenblicks vom Übergang in das Tagesbewusstsein zurück. Ich erlebe die Farben wieder, die Bewegungen, den fast noch traumhaften Kontext des Augenblicks, als der Traum schon im Verschwinden begriffen war und das Tagesbewusstsein langsam auftauchte - als ob durch hingehauchte, halbwach geflüsterte Worte und nachträgliche Zeichnungen mein inneres Auge wieder farbig sehen könnte und innere Fühler wüchsen, um den untergegangenen Traumfetzen wieder zu verlebendigen.


    Aufwachmoment


    Aufwachmoment


    Aufwachmoment


    Aufwachmoment


    Aufwachmoment



    Tag


    Tag
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    Tag
    Tag


    Sinnesausflug

    Kreis und Kreuzung – Ich laufe im vorgegebenen Takt der Ampelschaltungen über jede Straße einer Kreuzung, so dass ich einen Kreis beschreibe. Ich stoppe die Zeit. Dieses Prozedere dauert erfahrungsgemäß, je nach Verkehrsaufkommen an der jeweiligen Kreuzung, zwischen zwei bis vier Minuten. Ich zeichne unmittelbar nach der Runde meine prägnantesten Wahrnehmungen aus der Erinnerung und nehme mir dafür dieselbe, zuvor gestoppte Zeiteinheit.
    Durch die mir auferlegte Zeitbegrenzung, habe ich keine Zeit mir zu überlegen was genau ich skizzieren möchte. Ich skizziere frei aus der Hand: schnell, spontan, selektiv. Die Repräsentanz der Kreuzungsumrundung zeigt sich auf meiner Skizze, die das direkt Wahrgenommene ganzheitlich zum Ausdruck bringt.Die Unmittelbarkeit des ikonographischen Notierens, in derselben Zeiteinheit wie die Handlung kurz davor, fixiert den mentalen Zustand in der Situation in der Skizze.
    WORKSHOP

    Im Rahmen der Ausstellung „are you there“ im L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. habe ich den Sinnesausflug „Kreis und Kreuzung“ als Workshop mit Gruppen unternommen. Die Ergebnisse – die medialen Repräsentationen der Teilnehmerinnen in Form von A4 Zeichnungen – wurden in einer wachsenden Installation in der Ausstellung gezeigt sowie gemeinsam diskutieren.
    Jede TeilnehmerIn hat den Sinnesausflug anders erlebt, medial repräsentiert und refektiert. Ent- worfen wurden mit den künstlerischen Ergebnissen also verschiedene Materialisierungen individueller mentaler Zustände im Kontext zeitlicher Episoden – hier der Kreuzungsumrundung. Die Unterschiedlichkeit individuellen Erlebens und damit auch der individuellen Zeitwahrnehmungen wird in Bezug auf die schon gelebte Zeit sichtbar.

    Cube Workshop Ausstellungsansicht Workshop Sinnesausflug // L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

    Cube Workshop Ausstellungsansicht Workshop Sinnesausflug // L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

    Kreis und Kreuzung Bleistift auf Papier / 2:07 min

    Kreis und Kreuzung Bleistift auf Papier / 3:00 min

    cave community

    In Zusammenarbeit mit den Künstler*innen Elisa Dierson, Felix Stumpf und zwanzig Kindern haben wir in einem einwöchigen Workshop eine Rauminstallation, ein Höhlendorf gebaut, gesägt, geknotet, gespannt – darin gelebt.
    Die Kinder haben aus Stoff, weißem Karton, Seil und Holzlatten als Ausgangsmaterialien in Teams ihre eigenen Höhlen gebaut. Es entstand ein künstlerisch experimenteller Raum, ein Dorf mit acht Höhlen und dem Versammlungsort "Höhlenplatz". Auf diesem wurden gemeinschaftliche Belange behandelt. Eine kleine autonome Kommune entstand, in welcher am Ende sogar eine eigene Dorfpolizei gewählt wurde.

    Höhlendorfworkshop Höhlendorfworkshop / Foto: Felix Stumpf

    *


    Katja Marie Voigt setzt sich künstlerisch mit Lebenszeit im Spannungsfeld von Entfremdung und Beschleunigung auseinander. Schwerpunkt ist das Verhältnis zwischen dem selbstbestimmten Erleben von Zeit, verschiedenen mentalen Zuständen und Kontrolle. In performativen Experimenten begibt sie sich in selbst auferlegte Zeitstrukturen, in denen das eigene Handeln und der freie Wille eingeschränkt sind. Der Fokus solcher Selbstversuche liegt bewusst und radikal auf der eigenen Empfindung. Sie nimmt gleichzeitig die Rollen von Versuchsleitung und Versuchsperson ein. Es entstehen Collagen aus Zeichnungen, Diagrammen und Texten. So untersucht sie als forschende Künstlerin zeitgenössische Debatten hinsichtlich intuitiv erfassbarer Implikationen, die rationale Argumentationsstrategien pointieren und sich ihnen gleichzeitig entziehen. Seit 2012 initiiert sie partizipative Kunstprojekte und leitet Workshops mit Kindern und Erwachsenen. (Aktuell Moabees – ein PilotInnenprojekt am ZK/U Berlin und PFUSCH! Pfusch am Bau – Kunst am Bau in der ZUsammenKUNFT).


    * 1986 Bonn

    Seit 2015 // PhD. Kandidatin, freie Kunst, Bauhaus Universität Weimar

    2013 // Master of Arts, forschende Kunst im öffentlichen Kontext, Kunsthochschule Berlin Weißensee

    2011 // Bachelor of Science, Architektur, TU Berlin

    seit 2012 // Vorsitzende Kunst Werk Stadt Berlin e.V.


    Projekte, Förderungen


    2016 // CO-founder Penthaus für schöne Formate / Risographiewerkstatt und Druckstudio in Berlin Neukölln

    2016 // CO-founder Tiny Penthaus / Projektraum / im Rahmen des Initiativenzusammenschlusses ZUsammenKUNFT / Pilotprojekt Initiative Haus der Statistik in Berlin Kreuzberg

    2018 - 2020 // PFUSCH! Pfusch am Bau Kunst am Bau in der ZUsammenKUNFT / gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BKJ)

    2017 - 2018 // NACHT / gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

    2016 - 2017 // Kunstpostamt / gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BKJ)

    2013 - 2020 // Moabees – ein Pilotinnenprojekt am ZK/U Berlin / gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BKJ)

    2012 - 2013 // Bienenbewegung / gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

    Auswahl Ausstellungen


    2017 // Die Kapelle und das spezifische Gewicht der Zeit / kuratiert von Anne Brannys / ehem. Kapelle im Stadtschloss Weimar

    2016 // Ausstellung Künstlerinnengruppe Moabees / HONIGKINO #3 / ZK/U Berlin

    2015 // ARYOUTHERE? / L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

    2014 // IMAGO / Galerie Zwitschermaschine, Berlin (solo)

    2014 // REIF / Kühlhaus Berlin

    2014 // TI:ME / Salon am Moritzplatz Berlin / kuratiert von Mari Poller

    2014 // ANONYME ZEICHNER – Based in Berlin / Pavillon am Milchhof Berlin

    2013 // Lecture / HANDBUCH ZUR ÜBERWINDUNG DER ZEIT / Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin Weißensee

    2013 // 7LOCOMOTION / Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin Weißensee

    2012 // MONHABITE EINE EXPEDITION/ ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin)

    2011 // Lecture / IBA LABOR Kunst Stadt, Hamburg / mit dem Club der internationalen Raumforscher Berlin

    Links

    Penthaus für schöne Formate
    Kunst Werk Stadt Berlin e.V.
    Moabees – ein PilotInnenprojekt
    Bienenbewegung
    Bienengärtchen POG
    Artikel in der Zeitschrift Kultur bildet

    Impressum
    Katja Marie Voigt
    c/o Kunst Werk Stadt Berlin e.V.
    Boddinstraße 12
    12053 Berlin
    info(at)katjamarievoigt.com

    © Katja Marie Voigt 2016 All rights reserved
    Inhaltlich Verantwortlicher gemäß P. 55 Abs. 2 RStV: Katja Marie Voigt, Berlin


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