Atlas fremdbestimmter Lebenszeit




Atlas fremdbestimmter Lebenszeit


Der Atlas fremdbestimmter Lebenszeit ist eine Sammlung, die vierzehn im Risographie-Verfahren gedruckte Kartierungen umfasst. In den „psychogeografischen“ Karten sind Raum, Zeitlichkeit und die Intensität des Erlebens miteinander verschränkt. Ein darüber gelagertes System aus Breiten- und Längengraden kann von Betrachter*innen decodiert werden und mit Hilfe eines Glossars schriftlichen Protokollen meines Erlebens zugeordnet werden. Die Karten sind im Rahmen des Selbstexperimentes 14 Tage fremdbestimmt entstanden, in dem ein Fremder zwei Wochen die absolute Kontrolle über meine Lebenszeit inne hatte. Jeden Tag bekam ich einen Tagesplan zugeschickt, führte diesen aus und lebte eingezwängt in einem Zeitkorsett aus Zwang und Kontrolle. Kann ich von „meiner“ Zeit sprechen, wenn ich täglich von Fremden vorgeplante Aktionen ausführe – einen Handlungsmarathon abarbeite? Dieser und verwandten Fragestellungen kann im Atlas fremdbestimmter Lebenszeit nachgegangen werden.

Atlas fremdbestimmter Lebenszeit Ausschnitt Kartierung Tag 2, Risographieprint, überlagerte Skizze

Atlas fremdbestimmter Lebenszeit Ausschnitt Kartierung Tag 9, Risographieprint


Handbuch zur Überwindung der Zeit



Das Handbuch zur Überwindung der Zeit zeigt die Auseinandersetzung mit der Echtzeit individuellen Erlebens und ihrer medialen Repräsentation.

Zeit, als eine Grunddeterminante des Lebens, wird im Handbuch zur Überwindung der Zeit in ihrer Komplexität vergegenwärtigt. Jede*r Leser*in kann im Laufe der Lektüre ihre besondere Art und Weise der Zeitüberwindung zu fassen bekommen – und sei es nur für einen Augenblick. Das Handbuch zur Überwindung der Zeit ist ein Hand gebundenes Unikat – ein künsterisches Sammelsurium. Arbeiten, die zum Thema Zeitwahrnehmung entstanden sind werden visualisiert, diskutiert und reflektiert.

Zum Anfassen, Aufschlagen, Durchblättern und Eintauchen: Das Handbuch zur Überwindung der Zeit ist eine Einbuchbibliothek – Da es 2018 in die Sammlung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar übergegangen ist, kann es von nun an dort im Sonderlesesaal des historischen Gebäudes gelesen werden.


andbuch zur Überwindung der Zeit Ausstellungsansicht, Kunsthalle am Hamburger Platz Berlin Weißensee



Handbuch zur Überwindung der Zeit Ausstellungsansicht, Kühlhaus Berlin

Aufwachmoment

Es gibt diesen Moment zwischen Schlafen und Wachen. Diesen Moment, an den man sich objektiv erinnern kann. Man liegt im Bett und wacht auf: das beißende Weckergeräusch, das Bewusstwerden, das Weichen des Traumes. Kann man diese mentale Situation konservieren, um sie noch einmal hervorzurufen?

Aufwachen ist das Ende und der Anfang
Aufwachen ist ein Zwischenstadium
Aufwachen ist ein Übergang

Der Übergang zwischen Schlafen und Wachen wird überwunden, indem seine Flüchtigkeit in dem Paar aus Wort und Zeichnung reproduzierbar wird.
Ich kann im Nachhinein den kompletten Moment wiederherstellen: Wenn ich die Zeichnungen sehe und meine selbst gesprochenen Worte höre, verkoppeln sich diese nachträglichen Ausdrucksformen zu einem neuen Eindruck und führen in die sinnliche Erinnerung des kurzen Augenblicks vom Übergang in das Tagesbewusstsein zurück. Ich erlebe die Farben wieder, die Bewegungen, den fast noch traumhaften Kontext des Augenblicks, als der Traum schon im Verschwinden begriffen war und das Tagesbewusstsein langsam auftauchte - als ob durch hingehauchte, halbwach geflüsterte Worte und nachträgliche Zeichnungen mein inneres Auge wieder farbig sehen könnte und innere Fühler wüchsen, um den untergegangenen Traumfetzen wieder zu verlebendigen.


Aufwachmoment


Aufwachmoment


Aufwachmoment


Aufwachmoment


Aufwachmoment



tags
Tags ist eine wachsende Sammlung. Ich fixiere die von Fremden hingeworfenen Spuren im aufwendigen klassischen Druckverfahren. Im Gegensatz zu dem in wenigen Sekunden produzierte Tag, bedarf das Herstellen einer Radierung viele Arbeitsschritte und dauert mehrere Stunden. Die ortsspezifische Arbeit entstand im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie Zwitschermaschine in der Potsdamerstraße Berlin.

Tag
Tag
Tag
Tag
Tag
Tag


Sinnesausflug

Kreis und Kreuzung – Ich laufe im vorgegebenen Takt der Ampelschaltungen über jede Straße einer Kreuzung, so dass ich einen Kreis beschreibe. Ich stoppe die Zeit. Dieses Prozedere dauert erfahrungsgemäß, je nach Verkehrsaufkommen an der jeweiligen Kreuzung, zwischen zwei bis vier Minuten. Ich zeichne unmittelbar nach der Runde meine prägnantesten Wahrnehmungen aus der Erinnerung und nehme mir dafür dieselbe, zuvor gestoppte Zeiteinheit.
Durch die mir auferlegte Zeitbegrenzung, habe ich keine Zeit mir zu überlegen was genau ich skizzieren möchte. Ich skizziere frei aus der Hand: schnell, spontan, selektiv. Die Repräsentanz der Kreuzungsumrundung zeigt sich auf meiner Skizze, die das direkt Wahrgenommene ganzheitlich zum Ausdruck bringt.Die Unmittelbarkeit des ikonographischen Notierens, in derselben Zeiteinheit wie die Handlung kurz davor, fixiert den mentalen Zustand in der Situation in der Skizze.
WORKSHOP

Im Rahmen der Ausstellung „are you there“ im L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V. habe ich den Sinnesausflug „Kreis und Kreuzung“ als Workshop mit Gruppen unternommen. Die Ergebnisse – die medialen Repräsentationen der Teilnehmerinnen in Form von A4 Zeichnungen – wurden in einer wachsenden Installation in der Ausstellung gezeigt sowie gemeinsam diskutieren.
Jede TeilnehmerIn hat den Sinnesausflug anders erlebt, medial repräsentiert und refektiert. Ent- worfen wurden mit den künstlerischen Ergebnissen also verschiedene Materialisierungen individueller mentaler Zustände im Kontext zeitlicher Episoden – hier der Kreuzungsumrundung. Die Unterschiedlichkeit individuellen Erlebens und damit auch der individuellen Zeitwahrnehmungen wird in Bezug auf die schon gelebte Zeit sichtbar.

Cube Workshop Ausstellungsansicht Workshop Sinnesausflug // L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

Cube Workshop Ausstellungsansicht Workshop Sinnesausflug // L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

Kreis und Kreuzung Bleistift auf Papier / 2:07 min

Kreis und Kreuzung Bleistift auf Papier / 3:00 min

cave community

In Zusammenarbeit mit den Künstler*innen Elisa Dierson, Felix Stumpf und dreizehn Kindern haben wir in einem drei tägigen Workshop eine Rauminstallation, ein Höhlendorf gebaut, gesägt, geknotet, gespannt – darin gelebt.
Die Kinder haben aus Stoff, Karton, Seil und Holzlatten als Ausgangsmaterialien in Teams ihre eigenen Höhlen gebaut. Es entstand ein künstlerisch experimenteller Raum, ein Dorf mit vier Höhlen und dem Versammlungsort in der Mitte. Auf diesem wurden gemeinschaftliche Belange behandelt. Eine kleine autonome Kommune entstand, in welcher am Ende sogar eine eigene Dorfpolizei gewählt wurde.

Höhlendorfworkshop Höhlendorfworkshop in der Werkstatt der Initiative Haus der Statistik
Höhlendorfworkshop Außenansicht, Blick in den alten Fahrradladen

*


In meiner künstlerischen Arbeit setze ich mich mit Lebenszeit im Spannungsfeld von Autonomie und Abhängigkeit auseinander. In meiner Studio practice erstelle ich Sammlungen, in denen Konzepte von Zeitlichkeit verhandelt werden. Der mediale Fokus liegt auf Zeichnung und Druckgrafik.
Wie fühlt es sich an, Zeit unter „selbst verschuldeter Fremdbestimmung“ zu überwinden? Und wie kann die unter diesen Umständen verbrachte Intensität der Lebenszeit gezeichnet, notiert, konserviert werden? Der Großteil meiner Arbeiten entsteht während künstlerischer Selbstexperimente. In performativen Experimenten begebe ich mich in selbst auferlegte Zeitstrukturen, in denen das eigene Handeln und der freie Wille eingeschränkt sind. Der Fokus solcher Selbstversuche liegt bewusst und radikal auf der eigenen Empfindung. Es entstehen Collagen aus Zeichnungen, Diagrammen und Textfragmenten.

Seit 2012 initiiere ich Kunstprojekte und leite Workshops mit Kindern und Erwachsenen. Aktuell Moabees – ein PilotInnenprojekt am ZK/U Berlin und PFUSCH! Pfusch am Bau – Kunst am Bau in der ZUsammenKUNFT.



* 1986 Bonn

Seit 2015 // PhD. Kandidatin, freie Kunst, Bauhaus Universität Weimar

2013 // Master of Arts, forschende Kunst im öffentlichen Kontext, Kunsthochschule Berlin Weißensee

2011 // Bachelor of Science, Architektur, TU Berlin

seit 2012 // Vorsitzende Kunst Werk Stadt Berlin e.V.


Projekte, Förderungen


2018 - 2020 // PFUSCH! Pfusch am Bau Kunst am Bau in der ZUsammenKUNFT / gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BKJ)

2017 - 2018 // NACHT / gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

2017 // CO-founder Tiny Penthaus / Projektraum / im Rahmen des Initiativenzusammenschlusses ZUsammenKUNFT / Pilotprojekt Initiative Haus der Statistik in Berlin Kreuzberg

2016 // CO-founder Penthaus für schöne Formate / Risographiewerkstatt und Druckstudio in Berlin Neukölln

2016 - 2017 // Kunstpostamt / gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BKJ)

2013 - 2020 // Moabees – ein Pilotinnenprojekt am ZK/U Berlin / gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BKJ)

2012 - 2013 // Bienenbewegung / gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

Auswahl Ausstellungen


2018 // Lange Nacht der Bilder / Alte Gießerei Berlin

2018 // Lecture / Bauhaus Universität Weimar / [dis]solving boundaries – Young Bauhaus Research Conference

2018 // The Vivid Unknown / Kunstraum rosalux Berlin

2017 // Die Kapelle und das spezifische Gewicht der Zeit / kuratiert von Anne Brannys / ehem. Kapelle im Stadtschloss Weimar

2016 // Künstlerinnengruppe Moabees / HONIGKINO #3 / ZK/U Berlin

2015 // ARYOUTHERE? / L40, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V.

2014 // IMAGO / Galerie Zwitschermaschine, Berlin (solo)

2014 // REIF / Kühlhaus Berlin

2014 // TI:ME / Salon am Moritzplatz Berlin / kuratiert von Mari Poller

2013 // Lecture / HANDBUCH ZUR ÜBERWINDUNG DER ZEIT / Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin Weißensee

2013 // 7LOCOMOTION / Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin Weißensee

2012 // MONHABITE EINE EXPEDITION/ ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin)

2011 // Lecture / IBA LABOR Kunst Stadt, Hamburg / mit dem Club der internationalen Raumforscher Berlin

Links

Penthaus für schöne Formate
Kunst Werk Stadt Berlin e.V.
Moabees – ein PilotInnenprojekt
Bienenbewegung
Bienengärtchen POG
Artikel in der Zeitschrift Kultur bildet

Impressum
Katja Marie Voigt
c/o Kunst Werk Stadt Berlin e.V.
Boddinstraße 12
12053 Berlin
info(at)katjamarievoigt,com

© Katja Marie Voigt 2016 All rights reserved
Inhaltlich Verantwortlicher gemäß P. 55 Abs. 2 RStV: Katja Marie Voigt, Berlin







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